Kleingärtnerverein Bach'sche Erben e.V.
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Natur erleben und gärtnern mit der Familie

 

Gemarkung:

 Leipzig-Lindenau

Lage:

Westliches Stadtgebiet

04177 Leipzig, Wasserstraße 4

Entstehungsjahr:

1912

Gesamtgröße:

4,50 ha

Anzahl der Parzellen:

162

Eigentumsverhältnisse:

Städtisch / Privat

Ausstattung:

Vereinshaus

Erreichbarkeit:

Straßenbahn-Linien 3, 7,  8  und 15 bis Haltestelle Angerbrücke

Bus 74 bis Haltestelle Angerbrücke

Natur erleben von klein auf

Insbesondere in einer Großstadt wie Leipzig ist ein Kleingarten der perfekte Ort, um ein wenig Erholung vom Alltag zu finden und den Kindern oder Enkeln zu zeigen, was es in der Natur alles zu entdecken gibt. Unser Verein hat sich zu seiner Gründung das Zeil gesetzt, die Erziehung der Jugend zur Naturverbundenheit zu fördern. Bei uns sind daher Familien mit Kindern bei der Vergabe einer Parzelle an oberster Stelle.

Im Rahmen unserer Möglichkeiten führen wir jedes Jahr Veranstaltungen für Kinder durch. Beim Osterbasteln können die Kleinen jedes Jahr ihr Bastelgeschick entwickeln. Beim Sommerfest gibt es jedes Jahr Aktivitäten für Kinder und zur Weihnachtsfeier im Vereinshaus kommt auch schonmal der Weihnachtsmann vorbei.

Satzung

Hier finden Sie die Satzung unseres Vereines.

Naturschutzgebiet

<-- Auszug aus dem Landschaftsplan der Stadt Leipzig.

Unser Verein grenzt an das Vogelschutzgebiet Leipziger Auwald (EU-Meldenummer 4639-451). Entsprechend finden sich in unseren Gärten viele Vögel ein, die im Winter unsere Unterstützung durch Fütterung benötigen.

Wir liegen im Landschaftsschutzgebiet Leipziger Auwald entsprechend § 19 SächsNatSchG. Damit unterliegen wir der IUCN-Kategorie V: „Gebiet, dessen Management hauptsächlich auf den Schutz einer Landschaft oder eines marinen Gebietes ausgerichtet ist und der Erholung dient.“

Also einem Gebiet, in dem Ressourcenschonung als Habitat des Menschen zusammen mit der „restlichen“ Natur im Vordergrund steht, insbesondere dem Einbeziehen anthropogener Landschaften als Ökosystem.

Wir fühlen uns daher verpflichtet, dem Bundeskleingartengesetz folgend, der Erzeugung von Gartenbauerzeugnissen zu entsprechen aber auch die Natur zu schützen und ihren Platz zu lassen. Dies kann sich im Anlegen einer Insektenblumenwiese, eines Gartenteiches, einer Totholzecke für die verschiedensten Käferarten oder einem natürlichen Gärtnern in Mischkulturen zeigen.

Lageplan mit Obstbaumerfassung


Vereinschronik

Um 1878 war das Gelände unseres heutigen Gartenvereins ein Feld. Vorher hatte der Boden der Lehmgewinnung für eine Ziegelei gedient. Im östlichen Teil erhob sich ein Hügel, der im Volksmund „der Berg“ genannt wurde. Dicht dabei war ein Badeteich der von Birnbäumen bewachsen war. Im jetzigen Park des ehemaligen Besitzes von Brauer Dr. Ulrich war damals ein größerer Sumpfstreifen, der sich bis an den Charlottenhof hinzog. Die damaligen Einwohner Lindenaus waren noch erdverbunden. Deshalb kam der „alte Kind“, eine knorrige Erscheinung, Dünnebier, ein kleiner lebendiger Sachse und Eduard Rentsch, genannt „der Selleriebauer“ überein, das östlich und westlich der heutigen Angerstraße gelegene Land urbar zu machen. Deshalb marschierten sie zum Rittergut Breitenfeld und wandten sich dort an den Rittergutsbesitzer Bach. Der gab ihnen willig Gehör und überlies ihnen das Land auf eine Reihe von Jahren kostenlos zur Bearbeitung. Später mussten sie dann eine Jahrespacht von 5 Pf. Je Quadratrute abführen.

Als führende Persönlichkeit dieser losen Gemeinschaft schälte sich Kind immer mehr heraus. An diesen wandten sich daher auch im Laufe der Jahre sämtliche Bewerber wegen Abgabe von Land. Die zu bearbeitenden Flächen wurden den zunächst nur wenige Köpfe umfassenden Feldpächtern zu ausgedehnt, weshalb sie zur Abgabe von Land bereit waren. An der Grenze zum Charlottenhof bauten Fuss, Heidenreich und Hecht und zwischen Anger- und Erich-Köhn-Straße baute Richter Korn und Runkelrüben an. Später erfolgte die weitere Teilung der Parzellen, so dass um 1894 bereits eine Gemeinschaft von über 20 Bewirtschaftern bestand. Das Gelände lag frei, Einzäunungen waren nicht vorhanden. Die ersten Bäume wurden etwa 1887 gepflanzt.

Eine besondere Bedeutung in unserem Verein kam Hermann Ziegler zu. Sein Garten grenzte um 1892 an das Gelände von Ulrich, genau dort, wo in einem Eishaus Bier gelagert wurde. Ziegler schaffte es, dass er regelmäßig ein Fass Bier geliefert erhielt, das gleich über den Zaun gehoben wurde. Das Bier wurde zunächst nur an die engere Verwandtschaft verkauft; später erweiterte sich der Kundenkreis immer mehr. Die inzwischen heranwachsenden Kinder der Gärtner wurden zum Abholen des Bieres verwendet. Die Gärten waren nicht durch Nummern gekennzeichnet, weshalb ihnen die Schwengelpumpe vor der Laube Zieglers als Richtungspunkt angegeben wurde. Die „Rote Plumpe“ wurde deshalb Wegweiser für viele Durstige und ist bis heute ein Begriff, den jeder alteinsessige Lindenauer kennt.

Später wurde das Gelände immer weiter parzelliert, was der Anlage einen ländlichen Charakter verlieh. Im Jahre 1911 sind bereits 95 Pächter namentlich nachweisbar. Der Amtmann Bach war inzwischen verstorben. Das Grundstück wurde an 4 Erben aufgeteilt:

  1. Rittergutsbesitzer Werner Bach auf Ottendorf, Kreis Sprottau in Schlesien und auf Breitenfeld bei Leipzig.
  2. Rittergutsbesitzer Carl Bach auf Eptingen bei Mügeln Kreis Halle.
  3. Martha verehelichte Ministerialrat Römers geborene Kelner in Bückeburg.
  4. Laura verehelichte Pflüger geborene Kelner in Bremen.

Mit der Nachlassverwaltung wurde der damalige Justizrat Theile in Leipzig vertraut. Dieser legte Wert darauf, nur mit einer verantwortlichen Person zu verkehren. Er veranlasste deshalb die Gründung eines eingetragenen Vereins. Am 5. Februar 1912, abends 8:45 Uhr fand die Gründungsversammlung im „Goldenen Adler“ statt. Unser Verein ist am 16. April 1912 in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Leipzig als „KGV Bach’sche Erben e.V.“ eingetragen worden.

Quelle Umwelt-Consult: {Der erste Vorsitzende war der Zimmermann Herr Gustav Hermann Geidel. Die Berufe der anderen 8 Herren waren mit Werkmeister, Bürovorsteher, Bäckermeister, Schlosser, Möbelpacker, Zimmerpolier und Markthelfer angegeben.

Die Eintragung ins Vereinsregister wurde dann mit einer Anzeige in der „Leipziger Zeitung“ bekanntgegeben. Diese Anzeige kostete 3,50 Mark.

Mit den Kindern des Gartenvereins wurden regelmäßig Spielnachmittage durchgeführt. Im Jahr 1925 war Otto Barth der Spielleiter. Er hat für die Zeitschrift „Garten und Kind“ vom September 1925 nachstehenden Artikel verfasst:

„Vom 30. Juli bis 05. August nahmen auf Einladung des Bezirks Ölsnitz im Erzgebirge 40 Kinder unseres Vereins an einer Schreberjugend-Werbewoche teil, um richtiges Schreberleben zu zeigen. Aufgenommen und aufs Beste bewirtet wurden die Kinder von den Schrebergärtnern in Ölsnitz, später in Lugau und Stolberg. So mancher Verein in Leipzig muss sich hinter dem verstecken, was im Bezirk Ölsnitz in Punkte Vereinshäuser geschaffen worden ist. Die angetroffenen Vereinshäuser waren alle Musterstätten und so recht geeignet, die Schreberjugend im Sinne unserer Bewegung zu erziehen. Nur an einem krankte es, und das sind die Spielleiter selbst. Der gute Wille einzelner ist vorhanden, aber es fehlt die Ausbildung, und ohne diese ist eben nichts möglich. Sache unseres Landesverbandes wird es sein müssen, unseren Freunden im Erzgebirge jede nur denkbare Unterstützung zuteil werden zu lassen“.

Im „Mitteilungsblatt“ vom Februar 1929 ist folgendes zu lesen:

„Der Verein konnte am 15. Dezember 1928 die Weihe seines neuen Vereinshauses vollziehen. Zu dieser Feier waren Freunde und Gönner erschienen, wobei der Abend durch musikalische Unterhaltung verschönert wurde. Der Kreisverbandsvorsitzende, Herr Franke, übermittelte dem Verein die besten Glückwünsche zu seinem neuen Heim und brachte zum Ausdruck, daß selbiges vor allem unserer Jugendpflege dienen sollte“.


Ein Jahr später fand dann das alljährliche Herbstfest, trotz des neuen Vereinshauses, im „Goldenen Adler“ in Lindenau statt. Im „Mitteilungsblatt des Kreisverbandes Leipzig der Schreber- und Gartenvereine“ e.V. wurde das Fest für den 02. November 1929 mit Theateraufführungen und einem Ball angekündigt.

Dass sich der Verein im Sinne der Schreberziele betätigte, konnte man auch in o.g. Zeitschrift nachlesen. Im Juli 1931 ist dort eine Statistik veröffentlicht worden, die zeigt, wie sich die jeweiligen Vereine engagiert haben. Die Statistik beinhaltet ein Punktesystem, welches folgendermaßen aufgebaut war:

Auf einen Punkt entfallen:

  1) 10 Spieltage  2) 1000 Spielkinder    3)  5 Wanderungen    4) 100 Wanderkinder    5) 1 Fernwanderung    6) 5 Badegänge    7) 100 Badekinder    8) 100 Milchkoloniekinder    9) 100 RM Vereinsausgaben für Milchkolonie  10) 1 Vortrag, besonders über Jugendpflege  11)  1000 RM Gesamtausgaben für Jugendpflege                 

Der Punktestand des Gartenvereins „Bach`­sche Erben“ in Lindenau wird hier mit 24,6 Punkten angegeben. Auf welche dieser 11 Aktivitäten sich die Punkte beziehen, ist nicht bekannt.

Der Machtantritt Hitlers 1933 hatte zur Folge, dass die bislang traditionsreichen demokratischen Strukturen des Kleingartenwesens wegfielen. Der „Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler Deutschlands“ e.V. wurde gegründet. Ab 12. Februar 1934 wurden in den Kleingartenvereinen Schulungsabende durchgeführt. Zweck und Ziel dieser Schulungen war die Einführung in die nationalsozialistische Weltanschauung. Es wurde als Pflichtveranstaltung der Film „Blut und Boden“ gezeigt. Die Vorstände der Vereine hatten dafür Sorge zu tragen, dass jedes Mitglied anwesend war. Der Unkostenbeitrag beträgt für die in Arbeit stehenden Mitglieder 20 Reichspfennige und die arbeitslosen Mitglieder haben 10 Reichspfennige zu zahlen. Auch Angehörige und Bekannte der Vereinsmitglieder konnten gegen den entsprechenden Unkostenbeitrag an diesen Abenden teilnehmen.

Die Kleingartenvereine der Stadt- und Amtshauptmannschaft Leipzig waren in Abteilungen aufgeteilt. Die Vereine im Westen von Leipzig vereinigte man in der Abteilung VI. Der Termin für o.g. Pflichtveranstaltung war der 12. April 1934. Zusammen mit den Mitgliedern des Vereins „Gartenfreunde Rückmarsdorf“ fand die Veranstaltung im Versammlungslokal „Bach`sche Erben“ statt.

Der Verein hatte zu dieser Zeit 168 Mitglieder.

Im gleichen Jahr wird dann auch mit Wirkung vom 29. Oktober 1934 der Name des Vereins geändert. Er lautet künftig „Kleingärtnerverein der Bach`schen Erben“ e.V. Diese Namensänderung wurde auf der Mitgliederversammlung vom 27. Novem­ber 1933 beschlossen.

Am 06. November 1937 fand die Feier zum 25. Jubiläum des Vereins im Ballhaus „Zum Adler“ in Leipzig-Lindenau statt. Der Eintritt kostete 25 Pfg. Das Fest begann 19.30 Uhr und das Ende war auf 02 Uhr festgelegt.

Die Festfolge zu o.g. Veranstaltung ist aus der Einladung zu ersehen.

1.     Konzert

2.     Begrüßung durch den Vereinsführer

3.     Bläser-Quartett Leipzig

4.     Einmarsch der Fahne und der Jubilare

5.     Prolog

6.     Ehrung der Jubilare

7.     Festansprache

8.     Bläser-Quartett Leipzig

9.     Tanz und sonstige Darbietungen

Langjährige Mitglieder des Vereins erhielten zu diesem Fest eine Ehrenurkunde.

Nachstehend sind einige statistische Angaben aus den Jahren um 1940 aufgeführt.

Obstbaumbestand im Verein:

410 Apfelbäume, 360 Birnbäume, 170 Pflaumenbäume, 45 Süßkirschbäume, 200 Sauerkirschbäume, 2400 Beerensträucher  

Zu dieser Zeit wurden im Verein auch Haustiere gehalten. Man zählte 180 Kaninchen und 105 Hühner.

Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches im Jahr 1945 wurde der „Reichsbund deutscher Kleingärtner“ mit all seinen Strukturen aufgelöst.

Die Kleingärtnervereine entmachteten die Vereinsführer und wählten wieder eigene Vorsitzende. Zu dieser Zeit entstand ein enger Kontakt mit der Volkssolidarität. Später, im Jahr 1948, ergeht z.B. von der Volkssolidarität ein Rundbrief an alle „Gruppenvertrauensleute der Kleingartengruppen im Stadtkreis“, mit der Bitte, wie auch in den vergangenen Jahren, eine Obst- und Gemüsesammlung durchzuführen. Die Spenden sollten möglichst gleich in den Gartenvereinen an Kinder und Bedürftige verteilt werden. Der in dem jeweiligen Distrikt mit der Obst- und Gemüsesammlung beauftragte „Aktivist der Volkssolidarität“ wird sich mit dem Vorsitzenden in Verbindung setzen. Der Verein „Bach`sche Erben“ spendete 150 kg Obst an Alte und Bedürftige.

Das Kleingartenwesen wurde ab 01. Ju­li 1949 mit der Bildung der „Kleingartenhilfe des FDGB“ neu geregelt.

Ab 1959, mit der Gründung des „Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“ (VKSK), war der Gartenverein automatisch Mitglied im Verband und nannte sich Kleingartensparte.

Nach der politischen Wende und der Auflösung des „Verbandes der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“ erhielt der Ver­ein seine juristische Selbstständigkeit. Am 27 September 1990 wurde er unter Nr. 627 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Leipzig eingetragen. Er trägt von da an den Namen „Bach`sche Erben“ e.V.}

Gartenwandertag 2008
















Jubiläum 100 Jahre

Hier ist ein Artikel zu unserem 100 jährigen Jubiläum zu finden.